Wetter und Medien - eine schwierige Beziehung


Dienstag, den 11.07.17


Wettervorhersagen in den Medien gibt es schon seit Jahrhunderten, amtliche in regionalen Zeitungen in Deutschland seit knapp 100 Jahren. Seitdem hat sich einiges geändert. Darüber können wir heute im Thema des Tages lesen.

Der Inhalt des Thema des Tages entstammt in wesentlichen Teilen einem Vortrag, den die Ihnen sicher bekannte Diplom-Meteorologin und Wettermoderatorin Frau Inge Niedek im Rahmen einer Vortragsreihe bei der deutschen Meteorologischen Gesellschaft letztes Jahr in Offenbach gehalten hat.

Wie lief das früher mit den Wettervorhersagen ab? Damals gab es noch keine privaten Wetterdienste und Fernsehsender. Alle Berichte in den Medien hatten als Quelle den Deutschen Wetterdienst. Mittags gab es dort eine Konferenz, an der im Regelfall alle für deutschlandweite Wettervorhersagen Zuständigen teilnahmen. Daher erschienen in Funk, Fernsehen und der Presse einheitliche Vorhersagen und an Tagen, an denen sich die Vorhersagen sehr diffizil gestalteten, war sie somit überall gleich gut oder gleich schlecht.

Mittlerweile hat sich einiges geändert. Privatsender und private Wetterdienste haben sich etabliert und der Markt ist extrem expandiert. Die öffentlichen und privaten Senderketten haben ihren eigenen meteorologischen Stab, wobei gerne mal ein(e) Wetteransager(in) zum Wetterexperten hochgejazzt wird. Während also früher echte Wetterexperten direkt mit dem Endkunden, wie erfolgreich auch immer, kommunizierten, sind heute in der Regel Fernsehschaffende mit meist geisteswissenschaftlichem Hintergrund zwischengeschaltet. Diese beschäftigen sich mit meteorologischen Problemen von einer anderen Warte. Dass sich dadurch einige Kommunikationsprobleme ergeben, versteht sich von selbst (Geben Sie z.B. an geeigneter Stelle im Web mal Wintereinbruch mitten im Winter ein).

Da verschiedene Wetterfrösche aus unterschiedlichen, oft finanziellen Gründen, verschiedene Wettervorhersagemodelle benutzen, sind die Vorhersagen in den Medien nicht mehr einheitlich und weichen, wenn auch nicht innerhalb einer Senderkette, oftmals voneinander ab.

Auch bei den Inhalten der Wettervorhersage hat sich einiges geändert: Wetter ist nicht mehr im Wesentlichen auf die dröge Vorhersage für die nächsten Tage beschränkt, sondern liefert immer wieder Stoff für Schlagzeilen, vor allem in der nachrichtenarmen Zeit, der Sauregurkenzeit, wo sonst nichts läuft. Dass dabei die Seriosität bisweilen auf der Strecke bleibt, lernen wir spätestens, wenn sich der bereits Monate vorher angekündigte sibirische Winter als mildes Wuchswetter für Hasel und Erle erweist.

Wie man Ihnen das Wetter näher bringt, ist stilistisch recht unterschiedlich. Zum einen kann man das fachlich mit Karten und Symbolen machen, zum anderen mit Bildern, speziell von Tieren und Kindern, dabei allerlei Brimborium rund um das Thema inklusive persönlicher Betroffenheit, also eher emotional.

Von zunehmendem Interesse sind natürlich die Sozialen Netzwerke, auf denen inzwischen jeder vertreten sein muss. Leider sind auch die meteorologischen Inhalte inzwischen teilweise so ideologisiert (Klimawandel, Chemtrails), dass sich auch dort die allseits bekannten Probleme zeigen.

Und wie sieht die Zukunft aus? Auch hier geht der Zug Richtung Automatisierung. Eine große Computerfirma, die bereits einen Wetterkanal besitzt, arbeitet an automatischen Wettershows. Mal sehen, ob es tatsächlich dazu kommt und sich dann durchsetzt.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.07.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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