Von Grischa zu Herwart


Sonntag, den 29.10.17


Der dritte Herbststurm 2017, diesmal mit dem Namen Herwart, führt heute wieder verbreitet zu Schäden an der Infrastruktur in Nord- und Ostdeutschland.

Am Freitag war noch verbreitet vom Sturmtief Grischa zu lesen und zu hören, am Samstag gab es auf einmal ein weiteres Sturmtief, diesmal mit dem Namen Herwart. In der Realität allerdings ist das relevante Sturmtief ausschließlich Herwart. Wie kam es dazu? Am Freitag wurde die Sturmvorhersage für Sonntag an das einzige damals vorhandene Tief gekoppelt. Und das war Grischa. Dem geneigten Meteorologen konnte allerdings damals schon auffallen, dass ein Tief, dessen Zentrum über der mittleren Ostsee vorhergesagt war, im Regelfall nicht zu den prognostizierten starken Windgeschwindigkeiten über Deutschland führt. Ein etwas vertiefender Blick in die Wetterkarten brachte es auch schnell an den Tag. Nicht Grischa, sondern ein klassischer Schnellläufer, der an der Kaltfront von Grischa entstand, ist der Übeltäter. Und nach der üblichen Nomenklatur für Schnellläufer war damit klar, das Sturmtief am Sonntag beginnt mit H. Erstmals als abgeschlossenes Tief war Herwart für Samstagnachmittag vor der südnorwegischen Küste vorhergesagt und auch tatsächlich erst zu diesem Termin in den Wetterkarten als solches zu finden. Vergleichen wir die Verlagerungsgeschwindigkeiten von Grischa und Herwart, nämlich 250 km/24h im Vergleich zu 1750 km/24h, so erkennen wir schnell, woher der Begriff Schnellläufer stammt. Inzwischen (10 Uhr) liegt Herwart über Nordostpolen, seine Kaltfront, die die stärksten Böen brachte, liegt auf einer Linie Karlsruhe - Passau. Sie erreicht bis zum Nachmittag die Alpen. Die stärksten Böen traten bisher naturgemäß auf den Bergen auf und erreichten bis zu 176 km/h auf dem Fichtelberg. Aber auch in den Niederungen gab es örtlich orkanartige Böen. So gab es in Berlin und Wittenberg beim Kaltfrontdurchgang gegen 5 Uhr sogar eine Orkanböe von 125 km/h. Die Kaltfront zieht flott zum Alpenrand und sorgt dort durch den Stau an den Bergen für kräftigen Niederschlag, die Windböen lassen im Norden und der Mitte nach. Auch wenn das Tief Grischa nur indirekt für den Sturm verantwortlich war, für die zurückgehenden Temperaturen und den ersten Schnee auf den Mittelgebirgen trägt sie die Verantwortung. Zusammen mit dem Hoch Vera, das morgen über Großbritannien liegt, wird Luft aus polaren Breiten über die Nordsee zu uns geführt. Da das Wasser noch ziemlich warm ist, wird diese Luft aus nördlichen Breiten noch fühlbar aufgeheizt und die Schneefallgrenze bleibt noch relativ weit oben. Allerdings fällt sie vorübergehend auf etwa 700 m, so dass in der jetzt beginnenden Wintersaison erstmals einige Straßen von den Schneefällen betroffen sein werden. Nachts kann es bei Aufklaren Frost geben.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 29.10.2017

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