Deutschlandwetter im Oktober 2017


Donnerstag, den 02.11.17


Im Oktober 2017 dominierte im Süden Deutschlands meist Hochdruckeinfluss. Den Norden dagegen überquerten häufig die Ausläufer atlantischer Tiefdruckgebiete - zum Teil mit Sturm- und Orkanböen. So fegte Tief Xavier am 5. mit flächendeckenden Orkanböen über Ost- und Norddeutschland, wodurch sieben Menschen ums Leben kamen. Die stärksten Böen im Flachland meldete Holzdorf, östlich von Wittenberg, mit 122 km/h. Zum Ende des Monats traf dann Sturmtief „Herwart“ auf Deutschland und sorgte besonders über Nord- und Mitteldeutschland gebietsweise für Böen bis zur Orkanstärke. Drei Todesopfer waren zu beklagen. Für die Jahreszeit ungewöhnliche Wärme herrschte in der zweiten Dekade. In den letzten Tagen des Monats brachte Herwart dann mit maritimer Polarluft landesweit eine Abkühlung. Unter dem Strich verlief der Oktober deutlich zu warm mit einem Niederschlagsüberschuss im Norden und im äußersten Süden sowie einem Sonnenscheindefizit in der Mitte und im Norden. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 000 Messstationen.

Einer der zehn wärmsten Oktober seit 1881
Der Oktober verlief mit 11,1 Grad Celsius um 2,1 Grad wärmer als im Mittel der international gültige Referenzperiode 1961 bis 1990. Selbst verglichen mit der wärmeren Periode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung noch +1,9 Grad. Damit gehörte er zu den zehn wärmsten Oktobern seit Beginn der flächendeckenden Temperaturaufzeichnungen 1881. Zum Auftakt des zweiten Drittels sorgte Hoch Tanja mit örtlich 28 Grad für eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Wärme. Sogar oberhalb von 600 Metern gab es teilweise über 25 Grad. Als Beitrag zum goldenen Oktober meldete Müllheim, südöstlich von Freiburg im Breisgau, am 16. mit spätsommerlichen 28,1 Grad den bundesweit höchsten Wert. Erst zum Ende der letzten Dekade leitete Herwart eine verbreitete Abkühlung ein, gebietsweise mit Nachtfrösten. Am Morgen des 30. meldete Leutkirch-Herlazhofen im Allgäu mit -3,1Grad den bundesweit tiefsten Monatswert.

Trockener Südwesten, viel Niederschlag im Norden und äußersten Süden
Der Oktober war niederschlagsreich. Mit rund 75 Litern pro Quadratmeter übertraf er seinen Klimawert von 56 mm um 31 Prozent. Tief Xavier hatte nicht nur Sturm, sondern auch reichlich Regen im Gepäck. Innerhalb von zwölf Stunden fielen in Krempel, im Westen Schleswig-Holsteins, 55,1 mm; in 24 Stunden sogar 64,1 mm. Dies war gleichzeitig die deutschlandweit größte Tagesmenge. Mit bis zu 220 mm gab es am Alpenrand die höchste Monatssumme. Im Südwesten Hessens und von Rheinland-Pfalz wurde mancherorts mit nur knapp 20 mm das größte Regen-Defizit gemessen.

Sonnenscheinbilanz nahezu ausgeglichen, Süden deutlich im Vorteil
Mit rund 100 Sonnenstunden blieb der Monat leicht unter seinem Klimawert von 109 Stunden. Während sich die Sonne auf einer Linie Altmark, Prignitz, Mecklenburgische Seenplatte sowie in der Lüneburger Heide mit örtlich nur 70 Stunden länger hinter den Wolken versteckte, konnte sich der Süden Deutschlands gebietsweise über bis zu 170 Stunden Sonnenschein freuen.

Schleswig-Holstein und Hamburg: Für Schleswig-Holstein errechneten die DWD-Meteorologen 11,9 Grad (9,5 Grad), die Sonne schien rund 85 Stunden (98 Stunden). Das nördlichste Bundesland war im Oktober mit knapp 130 mm (73 mm) die niederschlagsreichste Region Deutschlands. Hamburg gehörte mit 12,1 Grad (9,8 °C) zu den warmen und mit etwa 120 mm (60 mm) zu den niederschlagsreichen Bundesländern. In der Hansestadt schien die Sonne knapp 85 Stunden (97 Stunden). Tief Xavier fegte am 5. mit schweren Sturmböen bis Beaufort 10 über Schleswig-Holstein und Hamburg hinweg. Zugleich traten anhaltende und gebietsweise kräftige Niederschläge auf. So meldete Krempel, westlich von Rendsburg, innerhalb von zwölf Stunden 55,1 mm. 24-stündig fielen hier sogar 64,1 mm - die deutschlandweit größte Tagessumme.
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Besonders warme Orte im Oktober 2017

1. Platz Helgoland (Schleswig-Holstein) 13,6 Grad Abweich. 1,9 Grad

2. Platz Köln-Stammheim (Nordrhein-Westfalen) 13,5 Grad Abweich. 1,9 Grad

3. Platz Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) 13,5 Grad Abweich. 3,0 Grad

Besonders kalte Orte im Oktober 2017

1. Platz Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 7,6 Grad Abweich. 2,1 Grad

2. Platz Carlsfeld (Sachsen) 7,6 Grad Abweich. 2,0 Grad

3. Platz Neuhaus am Rennweg (Thüringen) 7,7 Grad Abweich. 1,5 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Oktober 2017

1. Platz Balderschwang (Bayern) 251,2 mm 168 Prozent

2. Platz Ruhpolding-Seehaus (Bayern) 251,0 mm 185 Prozent

3. Platz Marktschellenberg (Bayern) 236,0 mm 223 Prozent

Besonders trockene Orte im Oktober 2017

1. Platz Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) 20,2 mm 48 Prozent

2. Platz Cölbe (Hessen) 20,7 mm 36 Prozent

3. Platz Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) 21,5 mm 54 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Oktober 2017

1. Platz Attenkam (Bayern) 167 Stunden 132 Prozent

2. Platz Garmisch-Partenkirchen (Bayern) 164 Stunden 109 Prozent

3. Platz Wielenbach (Bayern) 164 Stunden 138 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Oktober 2017

1. Platz Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 63 Stunden 60 Prozent

2. Platz Lennestadt-Theten (Nordrhein-Westfalen) 64 Stunden 65 Prozent

3. Platz Lügde-Paenbruch (Nordrhein-Westfalen) 66 Stunden 65 Prozent

oberhalb 920 m NN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.


Meteorologe Christian Throm

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 02.11.2017

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